Fotografie wie damals

Veröffentlicht in: Blog, Technik | 0

Es ist Winter, Corona Lockdown und draußen ist schlechtes Wetter. Um diese schwierige Zeit zu überbrücken muss man sich mit irgendwas beschäftigen, und so kam Sebastian auf die Idee wie früher analog in S/W zu fotografieren.

Natürlich sollten es dann auch alte Kameras sein damit auch das Erlebnis beim Fotografieren entsprechend wie damals ist. Sofern es nicht gerade eine alte Leica oder Rolleiflex sein soll bekommt man im Netz für relativ wenig Geld schöne alte Kameras in teilweise noch recht gutem Zustand, und so stehen nun, nach ein paar Online-Shopping Anfällen, ausgewählte Modelle aus alten Zeiten im Regal. Besonders angetan haben es mir die Kameras aus den 50ern, sie haben noch keinerlei Elektronik, sind robust und oft wirklich schön und hochwertig gebaut.

Am Chiemsee mit einer Ihagee Exa aus den 60ern und einem 30mm Objektiv von Meyer-Optik Görlitz

Wer moderne Digitalkameras gewohnt ist, und dann analog mit einer alten Kamera fotografiert, wird schnell merken wie einfach man es heute hat. Trotzdem, gerade die Einschränkungen durch die alte Technik und den analogen Film haben ihren Reiz und zeigen ihren Charakter im fertigen Bild, und so entstehen Aufnahmen die man vermutlich sonst nie so gemacht hätte. Aus diesem Grund habe ich beschlossen hiermit eine kleine Serie zu starten, ich möchte einige unserer Schätzchen vorstellen, vielleicht etwas über die Geschichte der Kamera erzählen und berichten wie es sich anfühlt damit zu arbeiten.

Eine SLR aus Dresden, die Ihagee EXA

Den Anfang mache ich hier gleich mit einer Spiegelreflexkamera. Das Kamerawerk Ihagee brachte 1936 die weltweit erste einäugige Spiegelreflexkamera für das 35mm Kleinbildformat auf den Markt und begründete damit die Basis einer Bauweise auf der bis heute Kameras von vielen Herstellern gebaut werden. Die EXAs waren eine günstigere Variante der EXAKTA Baureihe von Ihagee. Sie wurden in großer Stückzahl in diversen Ausführungen von 1951 bis 1987 in der damaligen DDR produziert. Wer mehr über die einzelnen Modelle wissen möchte findet hier eine schöne Seite: https://www.dresdner-kameras.de/ihagee_exakta/exa/exa.html

Es gibt noch viele EXAs in Deutschland, dementsprechend bekommt man günstig wirklich gut erhaltene Exemplare, nur gute Optiken kosten noch etwas mehr, so wie das bei Kameras immer ist. Ich fand 2 schöne Objektive für die Kamera, einmal das fast schon legendäre Zeiss Tessar mit 50mm, das bei dieser Kamera wohl sehr beliebt war, und ein sehr gut erhaltenes 30mm Lydith von Meyer-Oprik aus Görlitz. Beide Objektive leisten gute Arbeit an der EXA.

Fotografieren mit der EXA

Zuletzt war ich mit einer EXA 1a (siehe Tietelbild) unterwegs, man merkt schon am Gewicht dass man es hier mit einem Stück sehr robuster Technik zu tun hat. Der einfache Klappverschluss zwischen Objektiv und Film bei diesem Modell lässt als kürzeste Belichtungszeit nur 1/175 Sekunde zu, das reicht aus solange keine schnellen Bewegungen im Spiel sind oder man bei hellem Licht mit offener Blende fotografieren möchte. Was ich aber toll finde ist das abnehmbare Suchersystem. Hier kann man zwischen einem Prisma oder Lichtschachtsucher wählen, sowas gab es sonst nur bei wesentlich teureren Kameras, außerdem vereinfacht es die Reinigung der Kamera enorm wenn der Spiegel und die Mattscheibe so gut zugänglich sind.

Das 30mm Objektiv von Meyer-Optik Görlitz macht auch in dieser Gegenlicht Situation ein schönes, kontrastreiches Bild

Ich hatte zuvor schon ein paar alte Sucherkameras ausprobiert und war froh endlich wieder was in der Hand zu haben womit ich sehe worauf ich fokussiere, immer den Abstand in Metern schätzen zu müssen und hoffen dass der Fokus passt ist echt anstrengend. Mit dem Lichtschacht und der einschwenkbaren Lupe blickt man von oben in die Kamera, damit ist es immer noch etwas mühsam weil das Bild doch recht klein ist, aber beim Blick durch das Prisma funktioniert es wirklich gut. Eine Belichtungsautomatik gibt es natürlich nicht, also entweder wieder schätzen oder einen Belichtungsmesser verwenden und dann die Werte manuell einstellen. Der Filmtransport mit dem Schnellspannhebel geht schön leicht und ein Zähler für die verbleibenden Fotos ist auch vorhanden.

Ansonsten lässt sich mit der EXA gut und zügig arbeiten. Die rudimentäre Ausstattung stört mich nicht, wenn ich ehrlich bin gefällt mir das sogar. Ich werde mich weiter umsehen ob ich noch ein Objektiv mit längerer Brennweite finde, vielleicht ein 85er für Portraits, schließlich hat man es ja hier immerhin mit Kleinbild Vollformat zu tun, was bei heutigen Digitalkamera längst nicht immer der Fall ist.

Mit dem 50er Zeiss Tessar kommt man bis auf ca. 60cm ran, damit lassen sich bei offener Blende 2,8 Objekte gut freistellen.

Auf jeden Fall wird die Kamera zukünftig bei Oldtimertreffen und ähnlichen Events dabei sein. Einfach weil sie schön aussieht, sich gut anfühlt, man damit verhältnissmäßig gut fotografieren kann und ansprechende Ergebnisse erzielt.